Drei Fragen an Asterix Westphal
Rechtsanwalt, Musiker und Coach des JLTA1. Was würdest du einer Band raten, die einen Plattenvertrag angeboten bekommt?
Wenn es sich dabei um einen Bandübernahmevertrag handelt, sollte man sich zunächst erstmal sehr freuen, denn viele Labels sind vorsichtig geworden. Wenn also eine Plattenfirma Geld in die Hand nimmt und Manpower in ein Projekt steckt, ist das schon mal eine tolle Sache.
Als nächstes stellt sich die Frage, wo die Platte überall veröffentlicht werden soll. Wird nur digital veröffentlicht? Das könnte man im Zweifelsfall auch noch selbst hinbekommen. Wenn also physisch veröffentlicht wird, in welchen Läden wird sich mein Album später wiederfinden? Stimmt das Vertriebsnetz? Alles Fragen, die man sich stellen muss.
Nächste Frage – was bietet das Label mir auf der finanziellen Seite? Die Zeiten, in denen großen Vorschüsse gezahlt wurden, sind leider vorbei. Die Majors sind da oft noch eine Ausnahme, wollen dann aber auch beispielsweise an Live-Einnahmen und am Merchandise beteiligt werden und die Verlagsrechte haben. Alles Dinge, die eigentlich gar nicht in einen Schallplattenvertrag gehören – sie sind jedoch wichtig, damit die Labels sich finanzieren können. Hierdurch kann natürlich ein zwiespältiges Gefühl beim Künstler entstehen, da ihm auf diese Weise Einnahmen durch die Lappen gehen. Wenn die Menschen hinter dem Label jedoch vertrauenswürdig sind, die Labelpolitik stimmt und auch andere gute Künstler auf diesem Label zu finden sind, kann ich nur raten: Macht es! Denn die Kontakte, die man im Gegenzug bekommt, sind mit Geld schwer aufzuwiegen.
Der Künstlervertag ist eine weitere Alternative, bei der der Künstler eher in einem Angestelltenverhältnis zum Label steht. Die Plattenfirma kümmert sich um die Produktion und man wird als Künstler Stück für Stück aufgebaut. Das schlägt sich natürlich in der Beteiligung nieder, die beim Künstlervertrag wesentlich niedriger ist als beim Bandübernahmevertrag. Das Label ist an allem beteiligt, was der Musiker macht. Für unorganisierte Bands ist der Künstlervertrag auf jeden Fall die bessere Alternative, da man sich um sehr wenig selbst kümmern muss. Denn es erfordert viel Disziplin, eine Platte selbst zu produzieren.
2. Wann sollte man eher die Finger von einem Vertrag lassen?
Ganz schlimm sind Deals, bei denen man sich verpflichtet, 1000 Kopien des gepressten Albums zum Preis x abzunehmen – kein Witz, so etwas gibt es tatsächlich. Da kann man dann lieber selbst zum Presswerk gehen.
3. Was sind die häufigsten Fehler, die junge Künstler bei einem Vertragsabschluss machen?
Sich unter Druck setzen lassen. Denn es gibt ganz wenig Projekte, die unter Zeitdruck besser geworden sind – und dieser Zeitdruck ist mir unerklärlich. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass viele junge Musiker ihre Verträge nicht ordentlich lesen bzw. verstehen und einfach blindes Vertrauen haben. Im Zweifelsfall also immer nochmal jemanden drübergucken lassen, der Ahnung von der Materie hat. Es gibt einfach viele Passagen, die im Juristendeutsch verfasst sind und zu Verständnisproblemen führen könne.
Außerdem ist es schon sehr bezeichnend, dass so gut wie kein Bandübernahme- oder Künstlervertrag von einem Juristen so akzeptiert wird, wie er ursprünglich aufgesetzt wurde. Wenn man als Plattenfirma einen Vertrag an einen Künstler rausschickt, kommt er in der Regel mit lauter rot markierten Änderungen zurück. Ich sitze auf Künstlerseite in der Regel sechs bis acht Stunden an so einem Vertrag, um die Änderungen des Künstlers oder dessen Managers mit einfließen zu lassen. Die Verträge sind somit immer individuell zugeschnitten.

Freitag, 2. November 2012
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